Superman als Spieleheld?

Schaut man sich heutzutage Versoftungen aus dem Comic-Bereich an, merkt man schnell, dass es da nicht viele Perlen gibt, sondern überwiegend Katzengold, das mit großen Namen beworben wird. Wirklich gut waren nur eine handvoll davon. Ich erinnere mich noch sehr positiv an die Filmumsetzung zu Spider-Man 2. Ein launiges Spiel, das einem ermöglichte, durch die Straßenschluchten von New York zu schwingen. Danach herrschte lange künstlerische Ebbe. Es gab Spiele wie die Infamous-Serie für die Playstation 3, aber da gab es keine Vorlage aus den einschlägigen Häusern wie Marvel und DC. Der große Lichtblick war das Erscheinen von Batman: Arkham Asylum im Jahr 2009. Endlich wurde ein Held so präsentiert, wie man ihn aus der Vorlage kannte. Man konnte Kämpfen wie ein Martial Arts-Experte, Tatorte untersuchen wie ein Detektiv und schleichen wie Sam Fisher, nur einen Ticken cooler.

Ich hatte danach damit gerechnet, dass die Entwickler das Spiel kopieren würden, aber anscheinend kam das Erfolgsrezept „Qualität“ nicht gut an oder war einfach zu teuer. Es gab zwar Spiele wie die Captain America-Versoftung, die sich ähnlich spielten wie Arkham Asylum, aber sie kamen der Qualität nie wirklich nahe. Comic-Spiele wurden weiterhin stiefmütterlich behandelt.

Aber schlagen wir den Bogen zum Mann aus Stahl – Superman. Sein Glück mit Versoftungen war nicht gerade groß. Für viele gilt Superman 64 als eines der schlechtesten Spiele, die jemals veröffentlicht wurden. Stupides durch Ringe fliegen, eine unheimlich miserable Steuerung, Nebel wohin das Auge nur sah und eine Story, die man als solche nicht bezeichnen konnte. Der Nintendo 64 war nicht gerade das absolute Highend-Gerät, aber dass man auf der Konsole gute Spiele produzieren konnte, haben genug Entwicklerstudios gezeigt.

Komplett gebe ich den Verantwortlichen aber nicht die Schuld, denn Superman ist eine schwierig umzusetzende Figur. Er ist kein Mensch im Kostüm, wie es Batman zum Beispiel ist. Er ist praktisch eine Gottheit mit Fähigkeiten, die ihn so gut wie unsterblich machen. Gäbe es das Kryptonit nicht, käme ihm ein Bösewicht wie Lex Luthor überhaupt nicht bei. Wie also soll man einen wandelnden Godmode in einem Spiel umsetzen?

Es ward die Mär vom Fliegenden...

Jedes Spiel braucht als Fundament eine Geschichte, deren Erzählung durch die Technik getragen wird. Den Anfang macht eine kleine Stadt in Kansas. Bevor also die Haupthandlung einsetzt, werfen wir einen Blick auf die Jugend von Clark Kent und nutzen diese als Tutorial. So erleben wir ihn in jungen Jahren, wie er in Smallville seine ersten Flugversuche tätigt oder mit Superspeed durch Maisfelder hechelt. Durch diesen Vorlauf in der Geschichte kann man Superman ideal auf seine Menschlichkeit reduzieren, da diese eben auch ein wichtiger Bestandteil der Figur ist.

Dieser Prolog dient aber nur als Auftakt einer größeren Erzählung, welche eine glaubhafte Gefahr etablieren muss. Gegner, die Superman gewachsen sind, geistig, aber im Sinne der Spielmechanik vor allem körperlich. Die Auswahl ist groß genug, was das betrifft: Brainiac, Doomsday, Lobo, Darkside, Zod, Metallo und zahlreiche mehr. Es sollte nicht gehandhabt werden wie in den Arkham-Spielen, dass es nebensächlich auch noch kleine Fische gibt, die dem Mann in dem blauen Strampler ans Leder wollen. Es wäre unglaubwürdig, wenn Superman sich lange mit Schlägern, Bankräubern oder Autodieben herumschlagen müsste. Sie sind keine Herausforderung für ihn. Sicherlich ist es cool, als gottgleiche Figur auf einen Feind zuzugehen, der gerade ein Magazin auf den Helden entlädt, aber es brächte keinen spielerischen Mehrwert.

Wir halten also fest, dass die großen und kleinen Schurken, die Superman an Stärke gleich kommen, in diesem Fall gefragt sind. Es braucht dabei einen zentralen Schurken, der nicht zwangsweise als Endgegner fungiert, aber eben eine deutliche Gefahr darstellt. Lex Luthor wäre durchaus möglich, ebenso aber auch Darkside, der gerne mal Ränke schmiedet, gleichzeitig aber auch eine wirkliche, physische Gefahr für Kal-El darstellt.

Als Spielwelt sollte natürlich Metropolis fungieren, vielleicht mit kleinen Abstechern nach Apokolips. Durch eine Gegenüberstellung dieser beiden Schauplätze könnte dabei schön visualisiert werden, was aus der Welt wird, sollte Superman versagen. Abseits dieser beiden Spielzonen könnte man aber auch international werden und darstellen, was der "All American Boy" Superman für die Weltpolitik bedeutet. Gerade was solch ein schwieriges Thema betrifft, wäre eine Figur wie Lex Luthor ideal, die den Helden durch stichhaltige Argumente vor den vereinten Nationen in Bedrängnis bringt. So könnte es durchaus passieren, dass die Army anrollt und dem letzten Sohn Kryptons den Krieg erklärt. Ein solcher Gegner erfordert ein Umdenken, denn so stehen Superman Unschuldige gegenüber, die nur Befehle befolgen. Die Devise lautet also: Panzer per Hitzeblick demobilisieren, Soldaten entwaffnen und Kommdandanten einschüchtern. Oder einfach einen Abflug machen und versuchen, die Wogen durch gute Taten zu glätten.

Levelschläuche und Superman? Nä!

Bei einem Spiel mit einem flugtauglichen Helden bietet sich derweil ein Open-World-Konzept an. Wer würde nicht gerne mal mit flatterndem roten Cape durch die Lüfte und Häuserschluchten fliegen. Wer „Superman: Man of Steel“ gesehen hat, wird realisieren, dass Superman durch seine Kraft auch eine zerstörbare Umgebung braucht. In dem eher mäßigen Spiel zum Bryan Singer-Film „Superman Returns“, musste man bei Konfrontationen mit Gegnern wie zum Beispiel Metallo darauf achten, dass die Bevölkerung nicht zu stark dezimiert wird. Dargstellt wurde dies im Spiel durch einen "Lebensbalken" für Metropolis, oberhalb Supermans eigenem. Eine nicht wirklich schöne Lösung, die man heutzutage auch grafisch eleganter als Spielelement einflechten könnte, zum Beispiel durch sichtbare Schäden an Gebäuden, kompletten Ruinen oder merklichen Widerstand aus der Bevölkerung, die schließlich gegen den Mann aus Stahl demonstriert und ihn vielleicht sogar mit Steinen bewirft. Nicht, dass ihm das wirklich etwas anhaben könnte. Die neue Konsolengeneration bietet eine enorm potente Technik, mit der es sicher möglich wäre, Gebäudeschäden ähnlich wie in den neueren Red Faction-Teilen darzustellen. Welch erhebendes Gefühl wäre es, Zod mit einem Tanklaster zu verdreschen und dann durch die nächste Wand zu donnern, worauf ein Hochhaus kollabiert? So etwas wollen die Fans des Stählernen sehen!

Neben einfachem Gekloppe muss aber auch Platz für Supermans geheime Identität sein. So könnten auch kleinere Verbrecher zum Zuge kommen. Zum Beispiel gerät Clark Kent in einen Banküberfall und muss die Situation geschickt entschärfen, ohne dass seine Tarnung auffliegt. So könnte man kleine Rätselelemente in die Geschichte einfließen lassen. Eine Aktion in so einer Lage könnte sein, dass man gefesselt bei den anderen Geiseln sitzt und einen Hitzeblick über mehrere Spiegel lenken muss, um das Gewehr eines Gangsters zu sabotieren, der neben einem der Wächter steht. Vielfältige Lösungsansätze wären dabei hilfreich, da es sonst in billiges Trial & Error verfällt.

Superman bietet eine umfangreiche Mythologie, mit zahlreichen Figuren, die sich für Minispiele oder auch die Haupthandlung gut eignen. Wie geil wäre ein Wettrennen zwischen Flash und dem Mann aus Stahl, während die Sehenswürdigkeiten der Welt an einem vorbei sausen? Oder man muss in einer Raterunde von Mister Mxyzptlk herausfinden wie man ihn wieder in die fünfte Dimension verbannt. So könnte man eine prima Abwechslung zu den actionlastigeren Hauptmissionen bieten.

Aber was nützt all das Schwadronieren über die enormen Möglichkeiten und das Potential? Was es braucht, ist ein kreatives Studio, welches genug Freiraum von einem Publisher bekommt, um einfach ein gutes Spiel abzuliefern. Rocksteady hat es vorgemacht. Also, hebt euren Arsch, liebe Spielindustrie. Ich will ein würdiges Spiel für Mister Schmalzlocke!